Es zeigt sich in der Architektur der Strassen, in den Gesprächen, in den Geschäften und natürlich in der Gastronomie: Nur etwa 150 Strassenkilometer von der Schweizer Grenze entfernt, vermischen sich in der zweisprachigen Stadt Bozen die italienische und die deutsche Kultur. Die einen schlürfen noch einen schnellen Espresso am Tresen, während die anderen bereits entspannt einen Aperitif bestellen oder die traditionelle Gasthauskultur geniessen. Die einen flanieren gemütlich durch die Lauben der mittelalterlichen Altstadt, welche bereits im 12. Jahrhundert auf Geheiss der Bischöfe von Trient entstanden. Die anderen stossen im mediterranen und zugleich alpinen Ambiente der Geschäfte auf Trouvaillen aller Art.

Doch vom berühmten Waltherplatz aus schweift der Blick vieler Gäste auch sehnsüchtig zur Dolomiten-Welt vor den Toren der Stadt: GeniesserInnen wissen schliesslich, dass der Talkessel rundum nur so vor Weinreben und Bauernbetrieben mit Ferienwohnungen strotzt. Gerade in nahen Regionen wie Ritten und Kaltern gibt es somit viel zu entdecken – am besten gleich bei den Winzern und Winzerinnen.

Nahes Ausflugsziel: Rittner Horn. © stock.adobe.com, Gottfried Reidler

Ritten und der «Vinum de Plate»

Gleich hinter den Häuserzeilen von Bozen erheben sich im Nordosten die sonnigen Hänge des Rittner Hochplateaus. Wo die Dolomiten mit dem Schlern die Kulisse bilden, haben die BozenerInnen schon immer ihre Freizeit verbracht, und das längst nicht nur, um der Sommerhitze des Talkessels zu entfliehen: Jetzt, im Winter, lockt das Rittner Horn mit sanften, weiten Pisten, Winterwanderwegen und Schneeschuh-Trails. GeniesserInnen zieht es indes nicht ganz so weit hinauf. Die Region am Fusse des Ritten ist nämlich seit vielen Jahrhunderten als Weinanbaugebiet bekannt. Bereits im Mittelalter waren die Produkte aus dieser Gegend als «Vinum de Plate» bekannt, und auch heute noch sind die vielen Sonnenstunden und der leicht sandige Boden für den Anbau der Reben ideal. Dass sich das Winzerhandwerk mit Gastfreundschaft verbinden lässt und historisches Gemäuer gut zu innovativer Landwirtschaft passt, zeigen die folgenden Höfe mit dem «Roter Hahn»-Gütesiegel.

Antlas: Ruheort abseits des Trubels. © Hofgut Antlas

Erster Halt: Hofgut Antlas

Über Jahrhunderte hat sich in der Ferienregion Ritten eine Symbiose zwischen mondänem Weltbürgertum und bäuerlicher Bodenständigkeit etabliert. Beispiel gefällig? Als Ruheort abseits der städtischen Geschäftigkeit atmet das Hofgut Antlas genau diesen Geist. Die Geschichte des zugehörigen Schmalzerhofs reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück; das belegt zum Beispiel noch die Eingangstür zum Keller von 1570. Die alte Hausapotheke des Betriebs fand sogar Eingang ins Südtiroler Landesarchiv, und im 19. Jahrhundert etablierte sich der Bauernhof als beliebte Einkehrmöglichkeit mit Tränke für Pferde. Die beiden Stuben mit ihren alten Täferungen legen jedenfalls nahe, dass die Wirtsstätte schon damals gut besucht war. Für frischen Wind sorgen seit 2024 aber die GastgeberInnen Roland und Stefanie: Die neuen EigentümerInnen erweiterten den Betrieb zum agrotouristischen Weingut, errichteten ein zweites Wohngebäude und experimentieren seither nebst Wein auch mit Aprikosen und sogar mit Safran.

Auf vulkanischen Böden

Seit Roland mit seinem Vater Georg 2017 begonnen hatte, den ersten Weinberg mit Riesling zu bepflanzen, sind stetig weitere Anbaugebiete angelegt worden. Im Rhythmus der Jahreszeiten entstehen so auch elegante, mineralische und typische Weine der Rebsorten Kerner und Weissburgunder. Das gelingt zum einen wegen der vulkanischen Porphyr-Verwitterungsböden am Sonnenplateau Ritten. Zum anderen gedeihen die Trauben in einem warmen Mikroklima mit kühlen Nächten und mit einer langen Reifeperiode im Herbst. Nach der Lese im nur zwei Hektar grossen Anbaugebiet werden die Früchte in die Kellerei Eisacktal zur Weiterverarbeitung gebracht – die Weine lassen sich aber natürlich auch im Hofladen verkosten. Auch im Winter gibt es für die WinzerInnen einiges zu tun. Dazu gehört zum Beispiel der Rebschnitt, welcher den Ertrag der neuen Saison bereits reguliert und für einen gesunden Fortbestand der Kulturen sorgt.

Studio oder Penthouse?

Der Riesling ist verkostet, die historischen Gebäude sind erkundet. Da wäre es schade, die winterliche Südtiroler Landschaft rund ums Hofgut Antlas einfach links liegen zu lassen. Denn Ferien auf diesem Bauernhof lassen sich bestens mit einer Schneeschuh-Tour oder einer Rodel-Partie ergänzen: Passendes Material für die nahen Naturparks und Skigebiete steht vor Ort bereit, und auch einer Runde Eisstockschiessen steht nichts im Weg. Bei der Rückkehr lehnen sich Gäste dann in vier Designer-Apartments zurück: Handgefertigte Möbel aus Holz des eigenen Waldes sorgen darin für alpinen Charme. Für Paare oder Alleinreisende eignet sich das kleine Studio mit seinen 33 m² – dank privater Loggia und unschlagbarem Blick auf die Berge wird es Gästen garantiert nicht eng in der Brust.

Wer dennoch mehr Raum braucht, verbringt seine Auszeit derweil im 100-m²-Penthouse: Bis zu vier Personen geniessen dort Luxus samt freistehender Badewanne und eigenem Whirlpool. Und wenn langsam der Frühling das Eisacktal erobert, finden BesucherInnen draussen weitere Lieblingsplätze an der Sonne: Dann erblüht der Garten mit seinen jahrhundertealten Kastanienbäumen rund um den neu erbauten Natur-Pool.

Zweiter Stopp: Gstrein-Hof

Wie sehr Reben und Geschichte auf dem Rittner Hochplateau verbunden sind, beweist auch der Gstrein-Hof. Er liegt in ruhiger, sonniger Lage auf 600 m ü. M. inmitten der Rebberge – und das seit dem Mittelalter. Bereits im 12. Jahrhundert wurde der Weinhof in Urkunden erwähnt, entsprechend gilt er als einer der ältesten der Region. Auf einem alten Holzbalken in der Stube des denkmalgeschützten Bauernhauses weist eine Inschrift von 1533 Namen auf einen gewissen Johannes Gsträun hin. Der Betriebsname dürfte somit von diesem damaligen Besitzer abgeleitet worden sein.

Und auf einem ersten Rundgang zeigen sich rasch weitere historische Hingucker. So ist der Eingangsbereich von einem gut erhaltenen Gewölbe geprägt, während an der Fassade gut sichtbar die sogenannten Ochsenaugen prangen: Diese Öffnungen dienten früher wahrscheinlich zum Lüften. Seit 1929 ist der Gstrein-Hof im Besitz der Familie Stedile-Bauer. Sie setzt auf den Weinanbau, seit vielen Jahrzehnten werden aber auch Gäste beherbergt. Beim Umbau des Hauses setzten die GastgeberInnen ebenfalls auf Holz aus den eigenen Wäldern, sodass in den alten Gemäuern moderne Wohnungen entstehen konnten.

Im 12. Jahrhundert erwähnt: der Gstreinhof. © Gstreinhof

Mit Vernatsch und Lagrein

Auf gut gefüllte Gläser zum gemütlichen Anstossen können BesucherInnen am Gstrein-Hof ebenso zählen wie auf mittelalterliche Anekdoten: Die Familie Stedile-Bauer baut am Ritten die verschiedensten Rot- und Weissweinsorten an. Die meisten Trauben werden nach der Lese nach Bozen in die Privatkellerei Malojer-Gummerhof geliefert, einen kleinen Teil keltern die GastgeberInnen aber auch selbst ein. Bei den Roten setzt man auf den leichten Vernatsch mit seinem zart-blumigen Aroma. Dazu gesellen sich der kraftvolle, tiefdunkle Lagrein, Südtirols älteste Rebsorte, sowie eleganter Blauburgunder. Bei den Weissen wiederum finden der belebende Müller-Thurgau, die alte Sorte Gewürztraminer mit Noten von Rosen und Zimt oder aber feiner Sauvignon Platz in den Rebbergen. Dank des milden Klimas reifen auf dem Hof zudem noch zahlreiche weitere Obstsorten wie Kirschen, Zwetschgen, Feigen, Quitten, Äpfel oder Johannisbeeren. Und auch diese hofeigenen Rohstoffe werden mit viel Engagement weiterverarbeitet und aufgetischt – etwa beim Bauernfrühstück.

«Früchtchen» zum Bewohnen

Wie sehr die Landwirtschaft und insbesondere der Obstanbau den Betrieb einrahmen, zeigen auch die vier Ferienwohnungen des Gstrein-Hofs. Denn die Unterkünfte sind allesamt nach Früchten benannt. Eine davon, die «Traube», befindet sich im Nebengebäude des Bauernhofs und eignet sich mit ihren 70 m² für bis zu fünf Personen. Drinnen können diese etwa im Wohnzimmer mit Ecksofa und grossem Essbereich Platz nehmen, während der Blick draussen auf dem Balkon bis zum Rosengarten-Massiv reicht. Die weiteren Wohnungen «Granatpafel», «Birne» und «Zwetschge» befinden sich dagegen alle im zweiten Stockwerk des sanierten und umgebauten Bauernhauses. Auch sie verfügen entweder über einen separaten Balkon oder eine private Terrasse, sodass das Dolomiten-Panorama hier nicht zu kurz kommt.

200 Jahre Familienbesitz: der Ebnicherhof. © Ebnicherhof

Dritte Adresse: Ebnicherhof

Diese Station der «Roter Hahn»-Runde rund um Bozen ist wiederum im lichtverwöhnten Ritten, auch diesmal fungiert der Weinbau als wichtiges Standbein der Landwirtschaft, und auch der historische Aspekt fällt sofort auf: In den Südtiroler Kastanienhainen befindet sich der Ebnicherhof seit knapp 200 Jahren im Besitz der Familie Tauferer. Könnten die alten Bäume auf 850 m ü. M. reden, sie würden vielleicht noch von kargeren Zeiten erzählen, in denen das Grauvieh zu wenig Gras fand und Eichenblätter fressen musste. Doch der Betrieb konnte sich über all die Generationen halten und präsentiert sich heute als Oase für alle, die gute Weine und Südtiroler Spezialitäten schätzen. Diese gibt es entweder an der Hoftheke zu kaufen oder aber in der Bauernstube sowie auf der Sonnenterrasse zu verkosten.

Naturnahe Massnahmen

Mal sind sie steil, mal sind sie flach: 2,9 Hektar südlich ausgerichtete Weinberge schmiegen sich an den Ebnicher Hof. Diese verschiedenen Hanglagen machen die Arbeit in den Reben zwar herausfordernd. Dafür sorgt die Höhenlage für Weissweine mit besonderer Frische sowie für Rote mit Charakter. Zudem finden sich hier sowohl sandige, steinige Böden als auch lehmiges, kraftvolles Terroir, sodass jede Rebsorte die passenden Voraussetzungen findet. So entstehen gute Tropfen, die sich nicht nur für den sofortigen Genuss, sondern auch zum Einlagern eignen. BesucherInnen treffen bei der Familie Tauferer zudem auf einen bewusst naturnah konzipierten Weinbau: Das Spektrum der nachhaltigen Massnahmen umfasst unter anderem die Dauerbegrünung und wechselnde Einsaaten für den Humusaufbau und die Durchlüftung der Böden. Dazu kommt hofeigener Wirtschaftsdünger: Im Winter übernehmen die Schafe die Weinbergpflege, indem sie die Grasnarbe stärken und Nährstoffe hinterlassen.

83 m² zum Zurücklehnen

Wer eine Auszeit hoch über der Stadt plant, kann sich von den GastgeberInnen des Ebnicherhofs gleich am Bahnhof Bozen abholen lassen. Oben lohnt es sich dann für Gäste, etwas länger in den Weinbergen zu verweilen: Zum Betrieb gehört immerhin auch eine 83 m² grosse Ferienwohnung mit zwei Schlafzimmern und insgesamt fünf Betten. Ein geräumiges Wohnzimmer, eine grosse Terrasse, ein Balkon mit Hängematte und eine voll ausgestattete Küche sorgen hier für einen erholsamen Aufenthalt. Mit neuer Energie geht es danach noch einmal hinaus auf das Rittner Hochplateau.

Der Quirinus-Neubau stammt von 2011. © Weingut St. Quirinus

Schlusspunkt: St. Quirinus

Als Letztes geht es vom Nordosten in den Südwesten von Bozen. Nebst Ritten ist nämlich auch Kaltern an der Weinstrasse eine gute Adresse für önologische EntdeckerInnen und Hobby-Historiker. Reif liegt über den Rebstauden, der Kalterer See bildet bereits eine Eisschicht, doch man lasse sich von der Ruhe nicht täuschen: Betrifft es den Weinbau, ging es hier schon immer äusserst lebendig zu. Schon vor Jahrhunderten bauten bayerische Benediktinermönche ihren Wein im kleinen Dorf Oberplanitzing bei Kaltern an. Als Kirchenpatron ihres Klosters wählten sie St. Quirinus, was heute noch ein Bildstock in den Rebbergen belegt.

St. Quirinus ist aber auch der Name eines Bio-Weinguts, das seit 2011 Gäste empfängt und dem Alltagsstress unter anderem mit einer Sauna im Weinfass ein Schnippchen schlägt. Zumindest in diesem Fall sind ruhige Stunden also schon angebracht. Oder wie ein Gast seinen Aufenthalt kommentiert: «Die Zeiger der Uhr in die eigenen Hände nehmen, anhalten, zurückdrehen, verlangsamen. Hier könnte das gehen.»

Autarke Architektur

«Wir leben mit und von der Natur. Da ist es normal, dass wir gut mit ihr umgehen», schreibt Gastgeber Robert Sinn über seinen Familienbetrieb. Deutlich wird das bei seiner Leidenschaft für die biologischen Weine von St. Quirinus – hergestellt werden prickelnde Schaumweine, aber auch klassische Rote und Weisse. Da lag es nahe, auch beim Bau eines neuen Hauses samt Weinkeller auf ökologische Verträglichkeit zu achten. Mit dem Architekten Walter Angonese aus Kaltern fand man den richtigen Partner, um das Projekt umzusetzen. Er kannte die regionalen Traditionen und Gewohnheiten, aber auch das Gelände und die zur Verfügung stehenden Materialien bestens. Aus der Zusammenarbeit resultierte ein energetisch autarker Ferien- und Weinhof aus Zirbenkiefern- und Lärchenholz, Porphyr und Kalkstein, der den traditionellen Überetscher Baustil mit der Gegenwart verbindet.

Vater und Sohn: Robert und Michael Sinn. © Weingut St. Quirinus

Auf zur «Weinschmiede»

Liegt es am eigenen Weinschrank in der Unterkunft? Sind es die fein abgestimmten Farbakzente, die an Kräuter und Blüten erinnern? Machen die grossen Fenster den Unterschied? Manche Gäste möchten die vier Ferienwohnungen des Weinguts St. Quirinus gar nicht mehr verlassen. Doch ein Abstecher ins zweieinhalb Kilometer entfernte Zentrum von Kaltern lohnt sich: Dort hat Gastgeber Robert Sinn nämlich mit der «Weinschmiede» einen weiteren Treffpunkt zum Einschenken und Anstossen geschaffen. Zusammen mit dem befreundeten Winzer Arthur Rainer brachte er mit der Bar samt Shop neues Leben in die alte Dorfschmiede. Viele offene Weine, vorwiegend aus eigener Produktion, werden dort angeboten, dazu reicht man Häppchen und Brötchen. Wer braucht da noch die Provinz- Hauptstadt Bozen, wenn hier schon so viel Geselligkeit und Genuss im Zentrum stehen? Eben.

www.roterhahn.it
www.suedtirol.info