Eine uralte, riesige Eiche steht im Wald, völlig unbeeindruckt von der Zeit. «Gehe ich heute dorthin, sieht sie genauso aus wie vor 35 Jahren, als ich Stunden dort verbracht habe. Sie erinnert mich daran, wie beständig und beruhigend die Natur sein kann. Ich empfinde sie als unglaublich erdend», erzählt Gillian Beare. «Meine Kindheit verbrachte ich damit, auf Bäume zu klettern, Burgen im Wald zu bauen, Kajak zu fahren und im See zu schwimmen. Es war eine traumhafte Art, aufzuwachsen und es hat uns eine tiefe dauerhafte Liebe zu diesem Ort vermittelt», erzählt sie über das versteckte Fleckchen Erde, auf dem schon ihre Eltern ab 1984 lebten.

Hier, irgendwo im grünen Labyrinth Irlands, verbirgt sich Finn Lough, der mehr als ein See zu sein scheint. Es ist, als wären Wasser und Wolken ein Pärchen, das sich ein Leben lang kennt und doch in frischer Verliebtheit schwelgt. Als wären die Kuppeln am Ufer, die im Mondlicht schimmern, ihr Schmuck; wie Trauringe mit Perlen ragen sie in die Uferlandschaft. Oder sind es stabile Seifenblasen, die nur dank der Verankerung im Boden nicht davonschweben …? Am stillen See, der selbst wie eine schillernde Blase daliegt, übernachten Gäste in «Bubble Domes» – nur durch ein gewölbtes Glas getrennt vom Wald und dessen Weckrufen, wie etwa einem Morgenbad im kühlen Nass.

Heimkehr für eine Herzensangelegenheit

Vor über 40 Jahren eröffneten die Eltern von Gillian und Michael hier ein kleines Selbstversorgerhaus für Gäste, das sie liebten. 2013 kehrten die Geschwister in ihre Heimat zurück, mit einer glasklaren Absicht: Einen Ort gestalten, den sie selbst auswählen würden. «Michael lebte in London und ich in Australien, beide in völlig unterschiedlichen Branchen, doch irgendetwas zog uns immer wieder nach Hause …», erinnert sich Gillian. Als Mutter und Vater älter wurden, mussten sie sich mit dem Beenden des Ferienangebots befassen, dachten gar über einen Verkauf nach. «Wir konnten uns einfach nicht vorstellen, den Ort zu verlieren, der uns so geprägt hatte. Also kamen wir zurück», nennt Gillian den Beweggrund, warum sie begannen, über die Zukunft dieses Idylls nachzudenken – und schliesslich alles, was sie hatten, in dieses Projekt investierten.

Finn Lough sei eine Gelegenheit gewesen, etwas zu erschaffen, das ihnen wirklich am Herzen liegt. «Ich hatte nicht geplant, Gastgeberin zu werden, deshalb war es aufregend und beängstigend zugleich, aber lohnenswert.» Sich auf etwas einzulassen, wohlgemerkt auch auf sich selbst, dazu lädt sie auch ihre Gäste ein: «Lasst die Wildnis rein und den Rest los», lautet ihre Philosophie.

Natur, die das Naturell hervorbringt

«Es ist eine Aufforderung, seine polierte Version abzulegen und anzukommen, wie man ist», führt die Gastgeberin aus. So flaniert oder radelt man dem See entlang, nimmt nichts als Ruhe wahr, dazwischen die Kontraste wie etwa von taufrischen Tauchgängen und wärmendem Feuer. All das schärfe die Sinne – «und es entspannt die Schultern ungemein», fügt sie lächelnd an. Mehr noch: Wenn man sich darauf einlässt, verblasst der Lärm des Alltags und etwas Ehrliches tritt hervor. Ja, es ist die Natur, die das Naturell offenbart. Nicht zuletzt deshalb wurzelt die Idee von Finn Lough darin, mit der Natur zu arbeiten und nicht gegen sie. Darauf beruht jede Entscheidung der Geschwister. «Wir haben beachtliche Flächen aufgeforstet, Feuchtgebiete renaturiert sowie tausende einheimische Bäume, Moose und Farne gepflanzt», erläutert Gillian.

Die Gastgeber haben ein Gespür dafür, wie man dieses Unverfälschte zupft und weitergibt, unter anderem in Form von «Slow Food»: Im Restaurant «Lasair» kommt auf die handlichen Teller, was eben gerade noch nebenan gekeimt, gesprossen oder gereift ist. Sprich: In den Wäldern, im Küchengarten oder bei benachbarten Bauerhöfen: «Das Abendessen schmeckt immer besser, wenn man weiss, woher die Zutaten kommen und mit wie viel Fürsorge sie angebaut wurden», davon ist Gillian überzeugt. Abende enden hier oft an der Hausbar, mit Craft-Bieren oder Cocktails aus Zero-Waste-Botanicals. Schliesslich folgen auf die klitzekleinen Bubbles im Glas jene komfortablen aus Glas. Man bettet sich in der Wiege des Waldes für den einzigen aller «Termine»: Sternegucken. In dieser Blase der Behaglichkeit spürt man: Man könnte Platzen vor Glück. Ein wenig wie ein Komet, der mit einer leisen Explosion die Atmosphäre durchbricht, um sich dann wieder in der Unendlichkeit zu verlieren.

www.finnlough.com