Es gibt Städte, die man sich verdienen muss. Mulhouse ist eine davon. Als ich zum ersten Mal von diesem Wochenende höre, habe ich keine klaren Vorstellungen. Keine Bilderbuch-Anmut wie in Colmar, kein institutionelles Gewicht wie in Strassburg, keinen intakten mittelalterlichen Stadtkern, den man Durchreisenden zeigen könnte. Was ich dann finde, ist etwas Selteneres und letztlich Wertvolleres: ein industrielles Erbe von europäischer Bedeutung, eine Geschichte, die sich kaum irgendwo auf dem Kontinent so vielschichtig sedimentiert hat, und eine menschliche Dimension, die Grossstädte längst verloren haben: unabhängige Händler mit echten Stammkunden, Bistros mit handgeschriebenen Tageskarten, Kunstgalerien in postindustriellen Backsteingebäuden und Strassen, auf denen man dank des allgegenwärtigen Grüns noch atmen kann.

Ich komme an einem Freitagabend mit dem Zug aus Basel an. Zwanzig Minuten Fahrt, und schon bin ich in Mulhouse, einer völlig anderen Welt. Am Bahnhof wird mir bewusst: Die Eisenbahn ist hier kein Transportmittel, sie ist Identität. Es waren die Lokomotivfabriken dieser Stadt, die den Grundstein für das legten, was heute Alstom in Belfort ist. Und es ist kein Zufall, dass Mulhouse an der Kreuzung zweier Hochgeschwindigkeitslinien liegt – Paris–Schweiz und Marseille–Frankfurt. Vom Bahnhof bringt mich eine bunte Strassenbahn, erst 2006 nach jahrzehntelangem Dornröschenschlaf wieder in Betrieb genommen, in fünf Minuten ins Herz der Stadt.

Der Platz, der alles erklärt

Wer den Namen kennt, versteht sofort, wo er steht. Place de la Réunion. Keine Familienidylle, sondern ein Epochenbruch. 1798 schloss sich Mulhouse Frankreich an, freiwillig, nach fast drei Jahrhunderten als protestantische Stadtrepublik im Bündnis mit den Schweizer Kantonen. Keine Fachwerkhäuser prägten diese Stadt, keine gemütlichen Brauhäuser, sondern eine strenge, bürgerliche Ordnung, deren Rathaus die Wappen der Eidgenossenschaft trug. Nie offiziell Schweizer, und doch: Beobachter im Helvetischen Rat, Grenzstadt zwischen zwei Welten, zwei Loyalitäten, zwei Identitäten. Diese Zwischenstellung ist noch heute in den Steinen ablesbar.

Der «Temple Saint-Étienne» ist die grösste protestantische Kirche Frankreichs. © OTC Mulhouse et sa Région

Das Renaissance-Rathaus steht noch immer da, als hätte die Geschichte darum herumgewütet. Die Schweizer Wappen zieren noch immer die bemalte Fassade, unberührt von Revolution, Annexion und Besatzung. In einer der Nischen hält Prudentia den Spiegel hinter sich. Wer zurückblickt, regiert besser. Eine mittelalterliche Überzeugung, und heute fast eine Provokation. Gleich daneben der «Temple Saint-Étienne», hundert Meter hoch, die grösste protestantische Kirche Frankreichs. Die Fassade bewusst kahl. Wer eintritt, wird überrascht. Weit oben in den Fenstern leuchten Glasmalereien aus der Mitte des 14. Jahrhunderts, aus einer früheren Kirche gerettet, in einem Erhaltungszustand, der weltweit seinesgleichen sucht.

Namen und ihre Geschichte

Den Freitagnachmittag verbringe ich zu Fuss, ohne festes Ziel. Die Strassen von Mulhouse erzählen – man muss nur lesen können. Die Rue des Tanneurs zum Beispiel folgt dem Verlauf eines heute verschwundenen Wasserlaufs: Die Gerber brauchten Wasser für ihr Handwerk, und der Strassenname hat die Erinnerung wachgehalten, besser als jede Gedenktafel. Das Wasser ist das Gründungselement der Stadt, deren Name selbst aufschlussreich ist: Mühlhausen, die Siedlung der Mühlen.

Das Stadtwappen zeigt ein Mühlrad zwischen zwei Löwen. Ich finde es überall: auf Gullydeckeln, Gemeindeschildern, Sporttrikots. Ein stilles, beharrliches Bekenntnis zur eigenen Herkunft. Am Ende der Rue des Tanneurs erreiche ich den kleinen Place de la Concorde mit seinen Wasserspielen und den Ständen mit antiquarischen Büchern. Ich bleibe stehen, blättere, entdecke Prachtbände neben Titeln jeder Gattung und Preisklasse. Als ich ein Buch über die Osterinsel in der Hand halte, beginnt die Verkäuferin zu erzählen. Sie war vor vielen Jahren dort, es war die Reise ihres Lebens. Wir reden, lachen, und ich stelle erfreut fest, dass mein Schulfranzösisch für ein echtes Gespräch reicht.

Mulhouse ist überraschend grün. © Alberto Fabbris

Mulhouse ist eine offene, zugängliche und herzliche Stadt. Die Strassen des Zentrums überraschen mich mit etwas, das ich von einer so ausgesprochen industriellen Stadt nicht erwartet hatte: Sie sind sehr grün. Wo immer möglich hat der Asphalt üppigen Grüninseln, Blumenbeeten und Bäumen Platz gemacht, die das Licht auf den Gehwegen filtern. Das ist weder Zufall noch eine neue Verschönerungsmassnahme: Seit 2019 trägt Mulhouse das Label «4 fleurs» des «Comité National des Villes et Villages Fleuris», die höchste Auszeichnung, die Frankreich Städten verleiht, die städtisches Grün als echte Priorität behandeln. Ein weiteres Detail einer Stadt, die mich an jeder Ecke überrascht.

Ein anderes charakteristisches Merkmal der Altstadt sind die schmalen, hohen Fassaden als Ergebnis einer mittelalterlichen Steuer, die nach der Grundfläche der Gebäude berechnet wurde und dazu führte, dass man lieber in die Höhe baute als in die Breite. Das Zentrum lässt sich bequem zu Fuss erkunden. Die Stadt vermittelt ein starkes Gefühl von Geselligkeit und Savoir-vivre. Die Bewohnerinnen und Bewohner flanieren gemächlich, erledigen alltägliche Besorgungen, halten inne für einen Kaffee oder einen Aperitif, in Lokalen jeder Art, vom traditionellen Wirtshaus bis zur modernen Bar. Auch am Tisch gibt es nur die Qual der Wahl. Die Stadt bietet eine reiche Auswahl an Restaurants, die neben französischer und elsässischer Küche auch maghrebinische, algerische oder marokkanische Gerichte anbieten – beredtes Zeugnis verschiedener Migrationswellen, die im Laufe der Jahrhunderte zur Identität der Stadt beigetragen haben.

Am Marché du Canal Couvert gibt es Köstlichkeiten aus der ganzen Welt. © Rémy Cortin

Das pulsierende Herz der Stadt

Der Samstagvormittag gehört dem Marché du Canal Couvert, dem überdachten Markt im Zentrum. Er wurde im 19. Jahrhundert erbaut, mehrfach renoviert, und befindet sich ein paar Schritte vom Place de la Réunion entfernt. Ich betrete ihn und verstehe sofort: Das hier ist einer jener Orte, an denen die wahre Seele einer Stadt ungefiltert zum Vorschein kommt, ohne Inszenierung, ohne Touristenrabatt. Von aussen erinnert die Konstruktion aus Eisen und Glas an die Industriearchitektur, die das 19. Jahrhundert in Mulhouse geprägt hat. Innen öffnet sich eine Welt aus Düften, Farben und Stimmen, die mir besser als jedes Museum von der menschlichen Zusammensetzung dieser Stadt erzählt. Gemüse, Käse, Fleisch, Fisch, und schliesslich Spezialitäten aus aller Welt. Denn der Markt von Mulhouse ist genau das, ein Schnittpunkt der Kulturen, der die Geschichte der Stadt in lebendiger Form widerspiegelt. Neben dem Stand mit dem traditionellen Choucroute der Gewürzhändler aus Westafrika. Neben der Tarte flambée und dem frisch gebackenen Brot die handgemachten Baklava einer Familie aus Gaziantep, die in den Achtzigerjahren nach Mulhouse kam. Es ist ein Markt, der sich den Gesetzen des Tourismusspektakels noch nicht gebeugt hat: Die Kunden sind Mülhauser, die Transaktionen sind echt, die Preise die eines Marktes, der einer Gemeinschaft dient, nicht einer Laufkundschaft.

Kunst am Bau – gefördert und gewollt. Hier von der bekannten Künstlerin Vinie Graffiti. © Les 4 Vandrouilleurs

Wenn eine Besessenheit zum Erbe wird

Ein paar Strassenbahnhaltestellen vom Place de la Réunion entfernt wartet eines der eindrucksvollsten Erlebnisse des Wochenendes. Das Musée National de l’Automobile allein rechtfertigt eine Reise nach Mulhouse. Es ist kein gewöhnliches Automuseum, sondern das Monument einer Besessenheit, einer Arbeiterrevolution und eines kollektiven Akts kultureller Bewahrung, der in Frankreich ohne Vorbild ist. Die Geschichte der Schlumpf-Brüder liest sich wie ein Roman. Hans und Fritz, Schweizer Industrielle, die durch das Monopol auf gekämmte Garne in Frankreich reich geworden waren, kauften zwischen 1961 und 1963 heimlich Oldtimer in ganz Europa und den USA. Jedes Fahrzeug wurde mit manischer Sorgfalt restauriert und in den Fabrikhallen versteckt, nicht einmal enge Mitarbeitende hatten Zugang. Dann der Zusammenbruch: 1976 Verkauf der Betriebe, Massenentlassungen, Streiks. Das Imperium brach 1977 zusammen – Insolvenz, Tausende Arbeitslose, riesige Schulden. Die Brüder flohen nach Basel und lebten bis zu ihrem Tod im Hotel Drei Könige. Im März 1977 entdeckten entlassene Arbeiter die geheime Sammlung. Die Reaktion war unmittelbar: Besetzung, Umbenennung in Musée des Travailleurs, freier Eintritt. Am Eingang ein Schild, das in die Geschichte eingegangen ist: «Ich habe 1400 Franc im Monat verdient. Seht, wo der Rest geblieben ist.» Zwei Jahre verwalteten die Gewerkschaften das Museum, bis die Sammlung 1982 zum heutigen Nationalmuseum wurde.

17’000 Quadratmeter Nostalgie: Das Musée National de l’Automobile. © Alberto Fabbris

Das Innere lässt mich sprachlos. Über 17’000 Quadratmeter, beleuchtet von mehr als 800 Kandelabern, identisch mit jenen der Pariser Pont Alexandre-III, eigens für Fritz Schlumpf gegossen, um seine Fahrzeuge wie Kunstwerke in Szene zu setzen. Mehr als 500 Automobile in tadelloser Erhaltung, Mercedes, Rolls-Royce, Ferrari, Bugatti. Das Herzstück: 142 Bugatti, darunter zwei der weltweit nur sechs erhaltenen Royale – sechs Meter Karosserie, Armaturen aus Elfenbein, für Könige gebaut, von niemandem gekauft, zur Legende geworden. Bis November 2026 läuft eine Sonderausstellung zu 75 Jahren Formel 1: fünfzig Fahrzeuge, darunter Schumachers Benetton-Renault und Fangios Alfa Romeo von 1951. Ich setze mich in einen Simulator, spüre die Kräfte eines Überschlags und verstehe für einen Moment, was es bedeutet, Rennfahrer zu sein. Nach fast drei Stunden verlasse ich das Museum mit dem Gefühl, das wirklich aussergewöhnliche Orte hinterlassen: die Gewissheit, etwas gesehen zu haben, das man nicht vergisst. Nicht wegen der Schönheit der Fahrzeuge allein, sondern weil hinter jedem Wagen, hinter jedem Kandelaber die Geschichte zweier Besessener steckt, von Arbeitern, die gekämpft haben, von einer Stadt, die bewahrt hat statt zu verkaufen. Das Musée National de l’Automobile ist kein Automuseum. Es ist ein Museum über die Menschheit.

Grüne Oase mitten in der Stadt: Der Parc Zoologique et Botanique. © Eric Toussaint

Grün und Staunen

Nach dem Museum brauche ich Luft. Ich will ein Picknick, Sonne, Grün. Im Herzen des Rebberg, einem Quartier der Stadt, flankiert von den eleganten Villen der Industriebourgeoisie, entdecke ich einen der überraschendsten Parks des Elsass. Der Parc Zoologique et Botanique wurde 1868 von protestantischen Industriellen gegründet. An Wochenenden stand er von Anfang an Arbeitern und ihren Familien offen. Diese volkstümliche Berufung ist geblieben. Mehr als tausend Tiere in Gehegen, die natürliche Lebensräume nachbilden, botanische Gärten, Tropenhäuser. Doch was bleibt, ist die Stille. Keine grosse Stadtzoo-Hektik. Familien schlendern, Kinder staunen, Ältere lesen im Schatten der Linden. Ein Ort, der gelebt wird. Das Picknick auf der Wiese, dann der Abstieg zu Fuss: durch die Alleen des Parks, durch die Villenstrassen des Rebberg, wo Stuck und Stein noch immer vom Reichtum einer verschwundenen Epoche erzählen. Einer der schönsten Nachmittage des Wochenendes. Nicht wegen einer Sehenswürdigkeit, sondern weil ich für ein paar Stunden einfach Teil der Stadt war.

Das grösste Eisenbahnmuseum Europas

Der Sonntagmorgen beginnt mit einem französischen Frühstück und der freudigen Erwartung eines Ortes, der schon in der Kindheit beginnt: jenem Moment, in dem mein Grossvater mir die erste Modelleisenbahn schenkte. Ich nehme die Strassenbahn und erkenne schon vom Gehsteig aus die Silhouetten der Lokomotiven durch die Glasscheiben. Ich trete ein, und noch bevor ich die Lokomotiven sehe, höre ich sie. Undeutliche Lautsprecherdurchsagen, Pfiffe, Zischen, das rhythmische Schnaufen des Dampfes. Mit 60’000 Quadratmetern ist die Cité du Train das grösste Eisenbahnmuseum Europas. Es entstand nicht aus einer Kulturinitiative, sondern, wie fast alles in Mulhouse, aus der Leidenschaft eines Einzelnen: Jean-Mathis Horrenberger, einem Mülhauser Industriellen, der 1964 die fixe Idee hatte, ein Eisenbahnmuseum zu gründen. Stadt, Société Industrielle und SNCF folgten ihm. Heute empfängt es über 115’000 Besucherinnen und Besucher pro Jahr. Die Sammlung umfasst 130 fahrfähige Exponate. Die Saint-Pierre von 1844 – die älteste erhaltene Dampflokomotive Europas. Die Triebeinheit des TGV 325, der 1990 den Weltgeschwindigkeitsrekord aufstellte. Dazwischen anderthalb Jahrhunderte Geschichte: Schlafwagen mit Samtvorhängen, der vergoldete Kaiserwagen Napoleons III., der Präsidentenwagen de Gaulles. Was mir den Atem verschlägt, sind die Originalwaggons des Orient-Express. Dunkles Holz, Vorhänge, Messingdetails.

Die Cité du Train ist das grösste Eisenbahnmuseum Europas. © AdobeStock / dbrnjhrj

Ich lehne mich an einen Waggon und erwarte fast, Hercule Poirot im Korridor zu entdecken. Wer «Mord im Orient-Express» noch nicht gelesen hat, hat einen guten Grund, es vor dem Besuch nachzuholen. Ein Abschnitt ist den Eisenbahnferien gewidmet: Als 1936 die Front Populaire bezahlten Urlaub einführte, fuhren Millionen Arbeiter erstmals mit dem Zug ans Meer. Vor dem Ausgang noch ein Abstecher zum benachbarten Museum Electropolis: Das Glanzstück ist die kolossale Sulzer-BBCMaschine, die die DMC-Spinnerei mit Strom versorgte. 170 Tonnen Eisen und Stahl werden täglich in Betrieb gesetzt. Erst, wenn man neben diesen Lokomotiven steht, begreift man, wie kühn die Idee war, solche Stahlungetüme auf zwei schmalen Schienen fahren zu lassen. Und wie sehr Mulhouse, dessen Eisenbahngeschichte bis 1841 zurückreicht, Teil dieser Vision war.

Wenn der Stoff die Welt erzählt

Ich verlasse die Cité du Train mit dem Kopf noch voller Lokomotiven und dem leisen Bewusstsein, dass sich das Wochenende dem Ende nähert. Fast. Denn es gibt noch einen Ort, den ich nicht auslassen kann. Wenige Schritte vom Bahnhof entfernt, fast versteckt, wartet das Musée de l’Impression sur Étoffes. Wie alles in dieser Stadt erweist es sich als sehr viel mehr, als es zunächst verspricht. Mulhouse verdankt seine Seele einem einzigen Produkt: dem bedruckten Stoff. 1746 brachten Techniker aus Neuchâtel die Geheimnisse des Stoffdrucks. Das Kapital der Familien Dollfus und Mieg – deren Initialen die Marke DMC bilden – finanzierte die erste Manufaktur. Die Stoffe eroberten Paris, dann die Welt: 1863 Exporte nach Japan für Kimonos, 1960 Wachsstoffe für Subsahara-Afrika. 1800 mit 700 Mitarbeitern gegründet, zählte DMC 1928 bereits 9000 Beschäftigte, und machte Mulhouse zur Stadt mit einer der höchsten Millionärsdichten Frankreichs.

Eine lebendige Bibliothek: das Musée de l’Impression sur Étoffes. © Marie Soehnlen

Im Museum empfängt mich ein Universum aus Farben und Mustern. Hunderttausende Textilproben, mit fast obsessiver Sorgfalt katalogisiert. Kein verstaubtes Museum, sondern eine lebendige Bibliothek, die noch heute von Designern aus aller Welt aufgesucht wird. Kenzo und Paloma Picasso haben hier Inspiration gesucht. IKEA griff für einige Vorhänge auf diese Archive zurück, was eine lebhafte Stadtratsdebatte auslöste. Der Bürgermeister stellte sich mit einem IKEA-Vorhang vor die Kameras: «Schaut her, das kommt aus Mulhouse.» Das eindrucksvollste Beispiel dieses wandernden Erbes kommt aus der Region. Die Tapeten des Botschaftersalons im Weissen Haus – jene, die Jacqueline Kennedy in Auftrag gab – stammen aus der Manufactur Zuber in Rixheim, wenige Kilometer entfernt. Noch heute bestellbar, zwei Jahre Wartezeit, der Preis dem Ruf angemessen.

Mulhouse erzählt

Nach dem Museumsbesuch bleibt Zeit für das, was man in echten Städten tut: schlendern ohne Ziel, in Schaufenster schauen, einen letzten Kaffee auf dem Place de la Réunion trinken, wo dieses Wochenende angefangen hatte. Der Kreis schliesst sich leise. Mulhouse verführt nicht auf den ersten Blick, überwältigt nicht mit Schönheit, betäubt nicht mit Ruhm. Es macht etwas Besseres: Es erzählt. Und als der Zug sich in Bewegung setzt und die Stadt hinter dem Fenster kleiner wird, merke ich, dass ich etwas zurückgelassen habe: Neugier, Staunen, vielleicht beides, zwischen seinen Gleisen, seinen bemalten Mauern und seinen Webstühlen, die seit Jahrzehnten stillstehen und noch immer nach Geschichte duften.

www.musee-automobile.fr
www.musee-impression.com
www.citedutrain.com