Frühlingskreuzfahrten sind ein gut gehütetes Geheimnis unter Paaren und Ruhesuchenden. Alaska ist zu dieser Jahreszeit noch ein wenig im Winterschlaf, die Natur erwacht langsam und entfaltet sich in voller Pracht. Mütze, Handschuhe und ein wärmendes Halstuch gehören ins Gepäck, ebenso winddichte Kleidung und eine Daunenjacke. Die kühlen Temperaturen und die frische Brise an Deck laden dazu ein, sich mit einer Wolldecke in den Liegestuhl zu kuscheln und ruhig an blauen Gletschern vorbeizugleiten – den Feldstecher abwechselnd aufs offene Meer und ins wilde Landesinnere gerichtet. Eines der grössten Biosphärenreservate der Welt, die zum UNESCO-Welterbe zählende Glacier Bay, lässt sich ohnehin am eindrücklichsten vom Wasser aus erleben.

Einschiffung in Vancouver

Nach einer erholsamen Nacht im «Azur Legacy Collection Hotel» führt der Weg per Taxi, Uber oder zu Fuss zum Hafen von Vancouver. Wer die kanadische Metropole vor Reisebeginn noch erkunden möchte, reist am besten ein oder zwei Tage früher an – so bleibt genügend Zeit für die Stadt, bevor die siebentägige Fahrt durch die Alaska Inside Passage beginnt. Die Einschiffung am frühen Nachmittag verläuft ruhig und strukturiert. Wegweiser und helfende Crewmitglieder sind überall zur Stelle, und schon in diesem Moment ist die sprichwörtliche Gastfreundschaft von Holland America Line spürbar. Genug Zeit bleibt, um Kabine und Decks zu erkunden, bevor es um 16 Uhr «Leinen los» heisst.

Eingeschifft wird in Vancouver. © AdobeStock / hpbfotos

Auf Deck 9 wird bei der traditionellen «Sailaway Celebration» mit einem Glas Champagner zusammen mit der Cruise-Direktorin auf die Reise angestossen. Das Abendessen in den grosszügigen, mit viel Liebe zum Detail eingerichteten «Dining Rooms» auf Deck 2 oder 3 bietet reichlich Platz und eine angenehm ruhige Atmosphäre – dies ist doch ein sehr stilvoller Auftakt dieser Kreuzfahrt.

Durch geschützte Fjorde

Der zweite Tag verläuft durch geschützte Wasserstrassen, von Gletschern geschliffene Fjorde und üppige Regenwälder im Südosten Alaskas. Zum Misty Fjords National Monument führt keine Strasse – das Schutzgebiet ist ausschliesslich per Schiff oder Wasserflugzeug erreichbar. Buckelwale und Orcas sollen durch die fischreichen Gewässer ziehen, auch wenn sich an regnerischen, stürmischen Tagen die Entdeckungstour lieber ins Schiffsinnere verlagert. Und das lohnt sich: Shops mit lokalen Spezialitäten, aber auch Luxusuhren und Mode laden zum Stöbern ein, wer von den kühlen Temperaturen überrascht wurde, deckt sich hier mit einer warmen Daunenjacke ein.

Ein Café auf Deck 12 bietet eine wettergeschützte Panoramaaussicht, das modern ausgestattete Fitnesszentrum lässt den Blick statt auf einen Bildschirm aufs offene Meer schweifen. Gut besuchte Kurse in Yoga, Pilates oder Tai-Chi, spannende Vorträge über Alaskas Tierwelt sowie zahlreiche Spa-Angebote von der klassischen Massage bis zur Kosmetikbehandlung sorgen für Abwechslung. Zum Abendessen lockt an diesem Tag das Pan-Asian-Restaurant «Tamarind» auf Deck 10 mit fein zubereiteten Gerichten aus der asiatischen Küche.

Wale sind in den Fjorden heimisch. © Holland America Line

Juneau: Wale, Bären und Seeadler

Juneau, die drittgrösste Stadt Alaskas, liegt auf dem nordamerikanischen Festland und ist dennoch nur per Schiff oder Flugzeug erreichbar. Für eine Walbeobachtungstour per Boot empfängt einen am Pier ein gut gelaunter Busfahrer, der mit viel Witz und Charme von der Geschichte der Gegend erzählt – bis er plötzlich ruft: «Look at the right side, there are bears.» Tatsächlich zieht eine Bärenmutter mit ihrem Jungen am Seeufer entlang, während auf den Strassenlaternen Seeadler sitzen und die Felder nach Beute absuchen. Auf dem Wasser übernimmt eine fachkundige Walexpertin und erzählt inspirierend von der Lebensweise der Meeressäuger. Nach mehreren Orka- und Blauwal- Sichtungen haben wir Glück und entdecken noch eine Walmutter mit ihrem gerade zwei Tage alten Jungen. Jeder Wal, erklärt die Expertin, trägt anhand seiner Schwanzflosse eine individuelle Zeichnung, wird namentlich erfasst und in internationalen Datenbanken dokumentiert – manche Tiere wurden später sogar vor Japan wiedergesichtet.

Bären ziehen in der Region ihre Jungen gross. © Holland America Line

Auf den Spuren des Goldrauschs

In Skagway fühlt man sich schlagartig in die Zeit des grossen Goldrauschs zurückversetzt. Historische Gebäude und insbesondere das Museum erzählen, wie 1887 die erste Siedlung namens Mooreville gegründet wurde. Mit dem berühmten Klondike-Goldrausch zehn Jahre später wurde Skagway zum Stützpunkt und Ausgangspunkt für Routen über die White-Pass-Route oder den Chilkoot-Trail. Hunderttausende strömten hierher, um am Klondike River bei Dawson ihr Glück zu versuchen – reich wurden dabei selten die Goldsucher selbst, sondern eher die gewieften Geschäftsleute, die den Glückssuchenden ihre Dienste anboten.

Besonders greifbar wird diese Geschichte auf der Fahrt mit dem historischen Zug durch die «White Pass and Yukon»-Route, einer 1898 erbauten Bahnstrecke, die heute als internationales historisches Bauwerk ausgezeichnet ist; ein Titel, den sie sich unter anderem mit dem Eiffelturm, der Freiheitsstatue und dem Panamakanal teilt. Namen wie Dawson City, Klondike Gold Rush oder Lake Bennett kennt man vielleicht aus Filmen und Dokus, hier in Skagway werden sie plötzlich lebendig.

Skagway erinnert an den Goldrausch. © zvg

Gletschertag auf See

Ein ganzer Tag auf See führt vorbei am Endicott- und Dawes-Gletscher durch scheinbar endlose Natur. Überwältigt geniesst man abwechselnd die grosszügige Veranda- Kabine, die Aussicht auf Deck 9 oder 10 oder den einzigartigen Panoramablick am Heck des Schiffs im Café auf Deck 12. Die ruhigen Stunden auf See und die frische, kalte Luft machen hungrig – zum krönenden Abschluss dieses eindrücklichen Tages wartet ein Pop-up-Dinner des weltbekannten Chefkochs Masaharu Morimoto im «Morimoto by Sea» auf Deck 10, mit viel Liebe zum Detail zubereitet.

Ketchikan und die Misty Fjords

Ketchikan, bekannt als «Alaska’s 1st City», ist ausschliesslich per Schiff oder Wasserflugzeug erreichbar; eine Strassenverbindung gibt es nicht. Den Namen trägt die Stadt, weil sie die erste Ortschaft in der Inside Passage ist, wenn man von Norden kommt. Gegründet wurde sie 1883, als hier die erste Lachsfabrik der Region entstand – bis heute gilt Ketchikan als kulinarisches und kulturelles Zentrum der Fischverarbeitung. Ein mehrstündiger Bootsausflug namens «Misty Fjords – Wilderness Explorer» führt in unberührte Fjordlandschaften, vorbei an Delfinen und Walen – erhaben und von einer Grösse, die jede Erwartung übertrifft. Bleibt nach der Tour Zeit, lohnt sich ein Abstecher zu den berühmten Totempfählen der Stadt.

In «Alaska’s 1st City» Ketchikan. © AdobeStock / Kirk Fisher

Bordleben mit Stil

Zurück an Bord zeigt sich, wie sehr die Holland America Line auf Kulinarik und Unterhaltung mit Bezug zur Destination setzt. Auf Alaska-Routen kommt ausschliesslich frisch gefangener Wildfisch aus regionaler Fischerei auf den Teller – Teil des «Global Fresh Fish Program», das den Fang innerhalb von 48 Stunden serviert. Live-Musik aus Jazz, Rock und klassischer Musik prägt den Alltag an Bord, unter anderem im «B.B. King’s Blues Club», während im Theater aufwendige Shows für Unterhaltung sorgen. Der Dresscode ist «elegant» oder «smart casual» – für die traditionelle «Orange Party», die dem holländischen Erbe der Reederei huldigt, empfiehlt es sich, ein schickes Kleidungsstück oder Accessoire im Gepäck dabei zu haben.

Der Kapitän erklärt

Am letzten Abend an Bord wird im Spezialitätenrestaurant «Pinnacle» festlich gespeist: frischer Hummer, Lachs und edle Fleischstücke, begleitet von auserlesenen Beilagen und einer Crème brûlée zum Dessert. Ein exklusiver Rundgang durch die hochmoderne Kommandobrücke rundet die Reise ab. Kapitän Paul Adams erklärt die drei identischen Steuereinheiten – eine mittig, je eine an Backbord und Steuerbord – sowie die zusätzliche, manuell bedienbare Notbrücke ganz oben auf dem Schiff. Mit über zwanzig Jahren Erfahrung erzählt er von der «Koningsdam» wie ein stolzer Vater und von einer Nacht, in der ihn die Brückencrew wegen eines mysteriösen Leuchtens am Himmel weckte: es war ein sogenannter «Nightbow», das nächtliche Pendant zum Regenbogen. Kurzerhand griff er damals zum Mikrofon und weckte alle Passagiere, damit auch sie das seltene Schauspiel bestaunen konnten.

Kapitän Paul Adams erklärt die Steuereinheiten. © zvg

Ausschiffung in Vancouver

Am achten Tag heisst es Koffer packen und Abschied nehmen. Spätestens um 9.30 Uhr übernimmt die Crew das Schiff und bereitet sich auf die nächsten Gäste vor. Wehmütig, aber voller Dankbarkeit verlässt man die «Koningsdam» – im Gepäck unvergessliche Bilder von unberührter Natur, Tieren in ihrem angestammten Lebensraum und der Gewissheit, dass sich eine Frühlingskreuzfahrt durch Alaska lohnt, bevor im Sommer die grosse Reisezeit beginnt.

www.hollandamerica.com