Moldawien ist vielleicht nicht das erste Land, das einem bei der Planung von Europaferien in den Sinn kommt. Und genau deshalb überrascht es so viele Reisende. Denn eingebettet zwischen Rumänien und der Ukraine zeigt diese kleine und noch weitgehend unentdeckte Destination, was im heutigen Tourismus immer seltener wird: Authentizität, bedeutungsvolle Erlebnisse und die Möglichkeit, in einem langsameren, persönlicheren Tempo zu reisen. Hier geht es nicht darum, zwischen überfüllten Sehenswürdigkeiten hin und her zu hetzen. Es geht dafür um lange Gespräche mit gastfreundlichen Einheimischen, um friedliche Landschaften und um lang bewahrte Traditionen. So lädt Moldawien BesucherInnen dazu ein, den Kontinent auf eine andere Art zu erleben – durch Weinkultur, Ausflüge ins Grüne, Outdoor-Abenteuer, Gastronomie und einen herzlichen Empfang.

Auf dem Land warten Öko-Resorts. © Moldova.Travel

Erbe der Sowjetzeit

Die Reise beginnt oft in Chișinău, der grünen und entspannten Hauptstadt des Landes. Weitläufige Parks, grüne Boulevards, Weinbars, lokale Restaurants und kulturelle Einrichtungen schaffen eine ruhige und doch lebendige Atmosphäre. Die Stadt lässt sich leicht erkunden und bietet eine ausgewogene Mischung aus Architektur der Sowjetzeit, moderner Kreativität und lokaler Authentizität. Sehenswert sind sicher auch die baulichen Meisterwerke des russischen Architekten Alexandru Bernardazzi: Dazu gehören etwa das Rathaus oder aber der Wasserturm von 1892, in dem heute das Stadtmuseum zu finden ist. Reisende können aber auch einfach durch die lokalen Märkte schlendern, deren Stände mit saisonalen Früchten, Käse und Blumen gefüllt sind. Dabei lässt sich gleich auch der Alltagsrhythmus des moldauischen Lebens erleben.

Unterwegs bei Orheiul Vechi. © Moldova.Travel

Schlafen bis der Hahn kräht

Hinter der Hauptstadt verbirgt sich einer der grössten Schätze Moldawiens: seine Landschaft. Traditionelle Dörfer, sanfte Hügel, Sonnenblumenfelder, Wälder und Flüsse bilden Regionen abseits des Massentourismus. Hier treffen Gäste auf ländliche Gästehäuser und kleine Öko-Resorts, in denen sie noch vom Krähen des Hahns geweckt werden und hausgemachte, traditionelle Küche geniessen können. Da viele Einheimische immer noch ihr eigenes Gemüse anbauen und Obst der eigenen Bäume ernten, stecken viele der hiesigen Gerichte voller Frische und Geschmack. Zu den Klassikern gehören etwa Plăcinte; diese Teigtaschen werden je nach Rezept mit Käse, Kartoffeln, Kohl, Fleisch oder Kürbis gefüllt und mit Sauerrahm serviert. Ebenfalls beliebt ist Mămăligă mit Brânză – Maispolenta mit frischem oder gesalzenem Käse.

Der Dnister lädt zur Kajaktour. © Moldova.Travel

Gewaltige Weinkeller

Die moldawische Küche harmoniert perfekt mit dem lokalen Wein. Dieser ist eng mit der Identität des Landes verbunden, blickt es doch auf eine jahrhundertealte Tradition des Rebbaus zurück. Heute setzen die Weingüter nicht nur auf international bekannte Rebsorten wie Merlot, Pinot Noir oder Chardonnay, sondern produzieren auch Spitzenprodukte aus traditionellen moldawischen Rebsorten wie Feteasca Neagra und Rara Neagra für Rotweine sowie Feteasca Alba und Feteasca Regala für Weissweine. Diese reifen unter anderem in einigen der grössten Weinkeller der Welt – auf dem Gut Mileștii Mici sind beispielsweise über eine Million Flaschen eingelagert, und auch das Cricova-Gut verfügt über einen gewaltigen Keller.

Gewaltig: der Cricova-Weinkeller. © Moldova.Travel

Doch was den moldauischen Önotourismus so besonders macht, ist nicht nur der Wein selbst, sondern auch die Atmosphäre, die ihn umgibt. Reisende können Verkostungen in familiengeführten Betrieben buchen, inmitten von Weinbergen speisen, in Boutique-Weinresorts übernachten und die lokale Gastronomie in Kombination mit preisgekrönten Weinen entdecken. Viele Anbieter verbinden ihre Erlebnisse rund um die Rebberge ausserdem auch mit Wellness und Ausflügen in die Natur.

Mit Klippen und Hügeln

Apropos authentische Landschaft: Für aktive Reisende bietet Moldawien zahlreiche Möglichkeiten, um wieder eins mit der Natur zu werden. So führen die lokalen Wanderwege durch Wälder, Kalksteinlandschaften und malerische ländliche Gegenden. Gute Adressen zum Loslaufen sind etwa das Naturschutzgebiet Orheiul Vechi mit seinen acht Routen zum Vogelbeobachten, die Prut-Klippen im Nordwesten oder aber die zentralen Wege nahe Nisporeni. Von hier aus können Wanderlustige unter anderem den Balanesti-Hügel und damit den höchsten Punkt des Landes erklimmen. Derweil offenbart sich die moldawische Idylle auch während einer Kajaktour auf dem Dnister. Radwege durch die Weinberge und Dörfer ermöglichen es BesucherInnen ebenfalls, die Schönheit des Landes in einem gemächlichen Tempo zu erkunden und gleichzeitig einen tiefen Einblick in die lokale Kultur zu erhalten.

Lokale Trachten am DescOperă-Festival. © Moldova.Travel

Breites Kulturprogramm

Moldawien wird auch zunehmend für seine Festivals und kulturellen Veranstaltungen bekannt. Das ganze Jahr über können BesucherInnen Weinfeste, Open-Air-Konzerte, gastronomische Märkte, traditionelle Feiern und andere Events an einzigartigen Orten wie Rebbergen, Wäldern, historischen Stätten und ländlichen Anwesen entdecken. Diese Veranstaltungen vereinen Musik, Essen, Wein und lokale Traditionen in einer authentischen und einladenden Atmosphäre. Am 22. August wartet mit Opera Butuceni beispielsweise ein klassisches Musikprogramm unter freiem Himmel und vor einer spektakulären Naturkulisse. Am 5. und 6. September lohnt sich hingegen der Besuch des Autoren-Weinfestivals – der Anlass im Innenhof des Nationalen Geschichtsmuseums ist ausschliesslich kleinen Produzenten gewidmet und ermöglicht Gästen den direkten Zugang zu limitierten Auflagen.

Sommerzeit ist Festivalzeit. © Moldova.Travel

Kurze Wege

Ein weiterer Vorteil einer Reise durch Moldawien ist, wie einfach es ist, das Land zu erkunden. Die Entfernungen zwischen den einzelnen Zielen sind kurz, sodass Reisende Städtereisen, Weintourismus, Ausflüge in die Natur, kulturelle Entdeckungen und Erlebnisse auf dem Land in einer einzigen Reiseroute kombinieren können. In nur wenigen Tagen können Besucher von städtischen Cafés zu Weinberglandschaften, von Kajakabenteuern zu traditionellen Dörfern gelangen. Doch die vielleicht grösste Stärke Moldawiens sind seine Menschen. Die Gastfreundschaft hier ist aufrichtig, herzlich und tief in der lokalen Kultur verwurzelt. BesucherInnen werden nicht einfach als Touristen behandelt, sondern als Gäste, die in den Alltag und die Traditionen aufgenommen werden. Sicher, erschwinglich, authentisch und von vielen internationalen Reisenden noch unentdeckt – Moldawien bietet die Gelegenheit, eine ruhigere und bedeutungsvollere Seite Europas zu erleben, die auf Verbundenheit, Kultur, Natur und unvergesslichen Momenten basiert.

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